Weisheitszähne sollten nicht automatisch entfernt werden; diese Strukturen erfordern eine wissenschaftliche und klinische Beurteilung.
Der beste Ansatz ist, ab dem 17.-18. Lebensjahr regelmäßig einen Zahnarzt aufzusuchen und den Zustand der Weisheitszähne mit einem Panorama-Röntgenbild zu überwachen. Ihr Zahnarzt wird Ihre individuelle Situation (Alter, Kieferstruktur, Zahnstellung, Mundhygiene, allgemeine Gesundheit) bewerten und einen individuellen Behandlungsplan vorschlagen, der „sofortige Entfernung“, „regelmäßige Beobachtung“ oder „Belassen wie es ist“ umfassen kann.
Frühe Diagnose und Intervention führen immer zu einer einfacheren, weniger schmerzhaften und weniger riskanten Behandlung.
Situationen, in denen Weisheitszähne entfernt werden sollten:
Perikoronitis (Entzündung eines teilweise durchgebrochenen Zahnes)
Wenn der Zahn nicht vollständig durchbricht, entsteht zwischen dem ihn bedeckenden Zahnfleisch und der Zahnoberfläche eine Tasche, das sogenannte „Operkulum“. In dieser Tasche sammeln sich Speisereste und Bakterien an, wodurch ein Bereich entsteht, der nicht gereinigt werden kann. Eine auftretende Perikoronitis kann vorübergehend mit Antibiotika und Spüllösungen unter Kontrolle gebracht werden, kehrt jedoch häufig zurück, weil der anatomische Grund (Operkulum) bestehen bleibt.
Symptome:
- Starke Schmerzen und Empfindlichkeit
- Rötung, Schwellung und Zahnfleischbluten
- Unangenehmer Geruch (Halitosis) und schlechter Geschmack im Mund
- Kieferklemme und erschwerte Mundöffnung
- In schweren Fällen – Gesichtsschwellung, vergrößerte Lymphknoten, Fieber (Anzeichen einer systemischen Infektion)
Retinierte Zähne und Komplikationen
Die Lage der retinierten Zähne ist sehr wichtig. Ihr Zahnarzt erkennt sie auf dem Röntgenbild:
Arten von retinierten Zähnen:
Mesioanguläre Retention:
Der Zahn ist unter einem 45-Grad-Winkel zum davorliegenden Zahn geneigt. Dies ist der häufigste Typ.
Distoanguläre Retention:
Der Zahn ist nach hinten geneigt. Die Entfernung ist erschwert.
Horizontale Retention:
Der Zahn liegt völlig horizontal und drückt auf die Wurzel des davorliegenden Zahns. Eine der schwierigsten Situationen.
Vertikale Retention:
Der Zahn steht vertikal, ist aber im Knochen oder Zahnfleisch eingeschlossen.
Sekundäre Probleme durch retinierte Zähne:
Risiko von Zysten und Tumoren:
Der Zahnfollikel, der den retinierten Zahn umgibt, kann sich erweitern und eine Zyste – eine Follikularzyste – bilden. Eine solche Zyste wächst langsam aber kontinuierlich und verursacht:
- Abbau und Schwächung des Kieferknochens (Risiko eines pathologischen Bruchs);
- Abbau der Wurzeln benachbarter Zähne;
- Druck auf den Kiefernerv mit Taubheitsgefühl;
- In seltenen Fällen – Umwandlung in einen gut- oder bösartigen Tumor, z. B. Ameloblastom.
Resorption des benachbarten Zahns:
Ein retinierter Weisheitszahn kann eine Resorption der Wurzel des gesunden zweiten Molaren davor verursachen, indem er andauernd darauf drückt. Dies wird oft erst spät entdeckt, sodass beide Zähne verloren gehen können.
Karies und Zahnfleischerkrankungen (Parodontitis)
Schwierige Reinigung:
Wegen ihrer Lage sind Weisheitszähne kaum mit Bürste und Zahnseide zu reinigen.
Sekundärkaries:
Es wird nicht nur der Weisheitszahn zerstört, sondern Karies entwickelt sich auch an der Rückseite des davorliegenden zweiten Molaren. Dies kann zum Verlust eines viel wertvolleren Zahns führen.
Knochenverlust:
Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) im Bereich des Weisheitszahns führen im Laufe der Zeit zu einem Abbau des umgebenden Knochens. Gesunde vordere Zähne können dadurch gelockert werden und schließlich ausfallen.
Faktoren, die für eine präventive Entfernung von Weisheitszähnen relevant sind
Empfiehlt der Zahnarzt die Entfernung eines noch symptomlosen Weisheitszahns, wird das Verhältnis von Risiko und Nutzen berücksichtigt. Diese Faktoren spielen eine Rolle:
Alter des Patienten (entscheidender Faktor):
Frühe 20er:
Die Wurzeln sind zu 66–75% ausgebildet. Der Knochen ist noch elastisch. Die Heilung verläuft schnell, Komplikationen (Nervenschädigungen, Brüche etc.) sind unwahrscheinlich.
Ab 30 Jahren:
Die Wurzeln sind vollständig ausgebildet und oft gekrümmt, der Knochen härter. Die Heilung dauert länger, Komplikationen sind viel häufiger und der Eingriff ist komplizierter.
Allgemeiner Gesundheitszustand:
Diabetes, Osteoporosebehandlung und die Einnahme von Immunsuppressiva beeinflussen die Vorgehensweise und den Zeitpunkt der Entfernung.
Planung der kieferorthopädischen Behandlung:
Kieferorthopäden empfehlen oft die Entfernung der Weisheitszähne bei Menschen mit schmalem Kiefer, um zu verhindern, dass sich die ausgerichteten Zähne nach hinten verschieben, sobald die Behandlung abgeschlossen ist.
Wann die Weisheitszähne nicht entfernt werden müssen:
Damit ein Weisheitszahn als „erhaltenswert“ gilt, müssen vier Bedingungen zugleich erfüllt sein:
Vollständige Funktion:
Der Zahn muss komplett auf einen Antagonisten im Gegenkiefer beißen und an der Kauarbeit teilnehmen. Fehlt der Gegenzahn, wird der Zahn „antagonistenlos“ und verlängert sich, was zu weiteren Problemen führen kann.
Zugängliche Hygiene:
Die bukkale Fläche und die dem vorderen Zahn zugewandte Fläche müssen mit einer normalen Bürste und Zahnseide gereinigt werden können; dies prüft der Zahnarzt beim Besuch.
Beschwerdefreiheit:
Es sollten keine Schmerzen, Beschwerden, wiederholte Zahnfleischentzündungen oder Mundgeruch auftreten.
Unauffälliger Röntgenbefund:
Auf der Panoramaaufnahme:
- Darf sich um den Zahn keine Zyste befinden;
- Der Zahn darf keinen Druck auf die Wurzel des benachbarten Zahns ausüben;
- Es darf kein ungewöhnlich enger Kontakt zum Kiefernerv bestehen.
Ablauf der Weisheitszahnentfernung und postoperative Phase
Normale vs. chirurgische Entfernung:
Ein vollständig durchgebrochener Weisheitszahn wird wie ein normaler Zahn mit einer Zange entfernt. Für retinierte und teilweise durchgebrochene Zähne ist eine „chirurgische Entfernung“ erforderlich:
- Es wird eine Lokalanästhesie (manchmal Vollnarkose) durchgeführt.
- Es erfolgt ein Schnitt ins Zahnfleisch.
- Der Zugang zum Knochen wird freigelegt, falls nötig wird Knochen entfernt.
- Kann der Zahn nicht im Ganzen entfernt werden, wird er geteilt.
- Die Wunde wird gereinigt und vernäht.
Heilung:
In den ersten 24–48 Stunden treten maximale Schmerzen und Schwellungen auf. Es kann eine schmerzhafte Komplikation – eine trockene Alveole („Dry Socket“) – entstehen. Die vollständige Heilung von Knochen und Gewebe dauert mehrere Wochen.
Worauf Sie nach einer Weisheitszahnentfernung achten sollten
Die ersten 24 Stunden:
- Ziel ist es, die Blutung zu stoppen, die Schwellung zu kontrollieren und einer trockenen Alveole vorzubeugen.
- Behalten Sie die vom Zahnarzt platzierte Mullbinde 30–45 Minuten lang durch festes Zubeißen im Mund.
- Besteht die Blutung weiter, rollen Sie einen neuen sterilen Mulltupfer, befeuchten ihn und drücken ihn für weitere 20–30 Minuten auf die Wunde.
- Spucken Sie nicht aus – dies zerstört den Unterdruck und kann das Gerinnsel entfernen, was neue Blutungen verursacht. Lieber einfach schlucken.
- Für weniger Schwellung kühlen Sie die Wange an der Entnahmeseite am ersten Tag im Wechsel (ca. 20 Minuten Eis/20 Minuten Pause). Sie können Kühlelemente oder ein kaltes Tuch verwenden. Kälte verengt die Gefäße und reduziert Schmerzen und Schwellung.
- Das vom Arzt empfohlene Schmerzmittel sollte möglichst vor Auftreten der Schmerzen (meist vor Ende der Betäubung) eingenommen werden.
- Nehmen Sie kein Aspirin – es verdünnt das Blut und verstärkt die Blutung.
- Am ersten Tag keine körperliche Anstrengung, nichts Schweres heben. Am besten mit erhöhtem Kopf schlafen, um die Schwellung zu reduzieren.
Die ersten 3 Tage
Essen Sie weiche und lauwarme Speisen: Suppen, Püree, Joghurt, Banane, Pasta, Eier.
Vermeiden Sie möglichst:
- Heiße Speisen/Getränke (können das Gerinnsel lösen);
- Harte, schwer zu kauende Speisen (Chips, Nüsse, Toast);
- Scharfe und saure Speisen;
- Trinken mit einem Strohhalm (erzeugt Vakuum und löst das Gerinnsel).
In den ersten 24 Stunden: nicht Zähne putzen, nicht spülen. Nur nach dem Essen vorsichtig mit lauwarmem Wasser spülen und langsam ausspucken, ohne kräftige Bewegungen.
Nach 24 Stunden: andere Zähne mit einer weichen Bürste putzen, den Bereich der Extraktion aussparen. Sie können ein vom Arzt empfohlenes Mundwasser oder eine lauwarme Salzlösung (1 TL Salz auf ein Glas Wasser) 2–3-mal täglich sehr vorsichtig verwenden.
Während der nächsten Woche achten Sie zusätzlich auf Folgendes
- Nicht rauchen und keinen Alkohol trinken: Rauchen verzögert die Heilung und erhöht das Infektionsrisiko, Alkohol kann Blutungen fördern und mit Medikamenten interagieren.
- Fassen Sie die Wunde nicht mit Zunge, Finger oder anderen Gegenständen an.
- Beim Niesen möglichst mit offenem Mund oder beim Husten abfedern: Plötzlicher Druckwechsel kann das Gerinnsel stören.
